Franziskaner-Minoriten

Ministranten-Wallfahrt 2006 

Tagebuch einer bewegenden, informativen und interessanten Reise:


Sonntag, 30.07

"Hast du auch echt alles dabei? Nichts vergessen?" - "Nein, echt nicht!" - "Hast du auch…" Die Türen schließen. Endlich Urlaub. Was müssen sich die Eltern auch immer so viel Sorgen machen? Gerade wollte ich es mir ganz bequem auf meinem Platz herrichten und die Fahrt genießen. Urlaub. "Hier, dass sind euere Kappen und das ist euer Beutel, wo alles wichtige drinnen ist. Hier sind Fäden, die ihr jetzt flechten müsst, damit ihr den Faden dann an euere Mütze binden könnt, und dann…" Urlaub? Ferien? Ich verwarf meine Urlaubsstimmung und versuchte die vielen Informationen zu verarbeiten, was nach einigen Anläufen auch gelang. Ich schaffte es zum Beispiel schon wieder, meine drei zu flechtenden Fäden jemanden anderen zu geben und mich dann über "mein" Ergebnis zu freuen. Vielleicht kann ich ja jetzt endlich relaxen. Aber ich hatte wieder keine Zeit, denn ich musste natürlich ununterbrochen über irgendwelche oft sinnlose Themen reden. Die Stunden vergingen. "Seid jetzt bitte leise und versucht zu schlafen!" Und wir versuchten es. Keine Chance. Fast keiner konnte schlafen, dafür wurden alle immer müder. Jeder probierte es. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich sogar eine halbe Stunde geschlafen habe, aber mehr auch nicht. 


Montag, 31.07

Die aufgehende Sonne am Horizont war wie eine Erlösung. Endlich Tag. Dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis wir in Rom waren. Endlich da. Endlich fahren wir auf den (oft negativ) berühmten Straßen Roms. Der Gedanke, dass vielleicht vor 2000 Jahren schon jemand auf dieser Straße fuhr, gefiel. Erst jetzt tauchten vereinzelte Fragen wie "Wie lang noch" oder "Wann sind wir endlich da" auf. Und es dauerte nicht mehr lange. Da war es schon. Das Seraphicum, unsere Unterkunft. Beim Kofferausladen, konnten wir uns endlich wieder körperlich betätigen. Danach, als alles im Haus war wurden die Zimmer verteilt und die Koffer ausgepackt. Um wieder in Schwung zu kommen und die Müdigkeit zu vertreiben spielten wir erst einmal Fußball. Sehr angenehm, bei ungefähr 37 Grad im Schatten. Der Ruf zum Mittagessen war wie eine Erlösung. Es gab, typisch italienisch, Nudelsalat.  Während dem Essen keimte schon die Hoffnung auf, es gäbe Mittagsruhe, um wenigstens ein paar Stunden Schlaf nach zuholen. Doch die Hoffnung ging, so schnell sie gekommen war. Nix Mittagsruhe, Sightseeing. Auch gut. Von der Kirche San Pietro in Vincoli, wo die Fesseln des Petrus aufbewahrt sind, ging es über das Colosseum zum Forum Romanum, das genau in dem Moment zumachte, als wir gekommen waren. Pech. Und das alles nur, weil die Straßen um das Colloseum herum gesperrt waren, weil an jenem Abend ein Bryan Adams Konzert statt fand.  Danach ging es weiter zum Circus Maximus, der nur noch eine große Wiese ist, zum Mund der Wahrheit, der einem die Hand abbeißt, wenn man gelogen hat, zum Vaterlandsaltar und zum Trevibrunnen, wo ein Pizza-Geschäft an diesem Tag einen besonders hohen Umsatz machte… Oder auf gut Deutsch, wir hatten Abendessen. Dann ging es über die Spanische Treppe nach Hause, wo wir dann endlich, nach der Abendandacht in der Hauskapelle schlafen konnten. Aber komischer Weise war keiner mehr Müde.


Dienstag, 01.08

Nach dem Frühstück ging es in den Vatikan. Das wir nicht ganz pünktlich zur U-Bahn kamen, kann daran liegen, dass alle panisch nach der richtigen Kleidung suchten, um im Vatikan keine Probleme zu bekommen, oder wie gesagt daran, dass gestern Abend fast keiner müde war… Im Vatikan angekommen, mussten wir erst durch die Sicherheitskontrollen und dann durch die Kleidungskontrollen. Jeder kam durch. Dann mussten wir uns in einer noch längeren Schlange anstellen um auf die Kuppel zu kommen. Seltsamer Weise waren wir schneller am Ende der Schlange als die anderen Ministranten Gruppen, die vor uns waren. Danach war warteten die 333 Stufen darauf, bestiegen zu werden. Oben angekommen, fanden wir einen wunderbaren Ausblick. Fast so schön wie auf unseren Bergen. Danach, fand ein Großteil der Gruppe die Möglichkeit, wegen einem kleinen Missgeschick, den Dom in kleinen Gruppen zu erkunden. Als dieses wieder behoben war, fuhren wir nach Hause, um Mittag zu essen. Es gab wieder was typisch Italienisches. Kalte Tomaten mit Reis, was einige (eigentlich nur die Betreuer) ganz gut fanden. Nach dem Mittagessen, es war bereits später Nachmittag, war unser Ziel wiederum der Vatikan, wo am Abend der Internationale Gottesdienst stattfand. Und auch wenn man fast zu spät kommt, kann man einen sehr schönen Sitzplatz bekommen. Man muss nur über ein paar Absperrungen gehen. Damit macht man sich zwar ziemlich unbeliebt bei anderen Gruppen, die schon länger da waren, dafür hat man dann aber Plätze mit Blick auf den Altar und auf die Leinwand und das auch noch im Schatten. Nach dem Gottesdienst mit Kardinal Schönborn, ging es zurück ins Seraphicum. Wieder war fast keiner müde. Doch das Argument, dass wir am nächsten Tag schon um 5 Uhr geweckt würden, half ganz gut, doch zu schlafen.


Mittwoch, 02.08

Nach dem frühen Wecken und dem hektischen Frühstück, ging es in den Vatikan, zur Papstaudienz. Dort kann man auch Plätze bekommen, wenn man fast als letztes kommt, mit der gleichen Taktik wie gestern Abend. (Einfach schnell über die Absperrung und ganz schnell laufen.) Wieder hatten wir schöne Sitzplätze, wo der Papst direkt an uns vorbei fuhr. Nach der Audienz gingen wir die Via Aurelia entlang zur Engelsburg, dem Fluchtort der Päpste. Danach ging es weiter, zum Piazza de Navona, wo wir zu Mittag aßen. Danach ging es zum Pantheon, dem Runden Tempel mit dem Loch in der Decke, den Dan Brown Leser sicherlich noch gut in Erinnerung haben. Danach gingen wir wieder über die Franziskanische Botschaft, dem Forum Romanum und dem Kolosseum heim zum Abendessen. 




Donnerstag, 03.08

Am Vormittag gingen wir dann durch die Krypta im Petersdom, wo die meisten Päpsten begraben sind, wie Papst Johannes Paul II. Dort befindet sich auch das Grab Petri. Danach, statten wir der größten Kirche auf der Welt noch einen Besuch ab. Danach gingen wir in den Klein Gruppen, die extra zum U-Bahn fahren gemacht wurden zum Mittagessen. So eine Pizza hinter dem Vatikan, schmeckt gleich ganz anders. Wer nach dem Mittagessen noch Geld übrig hatte, konnte sich dann noch ein Souvenir in ein paar versteckten Läden kaufen. Am Nachmittag hatten wir noch ein Treffen mit Ministranten aus Frankreich, die auf den Namen Materazzi ganz komisch reagierten, in der Kirche St Paul vor den Mauern, wo wir auch Gottesdienst feierten. Danach fuhren wir heim. Nach dem Abendessen, begann dann der Stress: Kofferpacken. Doch, bevor wir uns überlegten, wie wir dem entfliehen, kam der Br. Bernhardin auf die Idee, einen Spiele-Abend zu machen, was auch für die meisten immer ganz lustig war. Es war unser letzter Abend in Rom und warum sollten wir also die kostbare Zeit jetzt mit schlafen verschwenden?


Freitag, 04.08

Ich wache erst auf, als Wasser mein Gesicht auf wundersame Art und Weise berührte. Man bin ich müde. Wenn doch wenigstens die Koffer schon gepackt wären. Zum Glück gibt es auch da so eine Taktik, wie das ganz schnell geht. Ich denke die meisten Eltern kennen sie, und sind darüber nicht so sehr begeistert. Nach zwei Minuten waren wir fertig. Noch schnell das Zimmer herrichten, und dann ging es nach dem Frühstück zum Koffereinladen. Danach fuhren  wir zu den Katakomben. Einem großen Unterirdischen Friedhof. Ich weiß auch nicht, warum manche Leute ausgerechnet hier so erschrecken, wenn man zufällig aus einem Seitengang kommt und wieder zurück zur Gruppe geht. Dann besuchten wir die Lateranbasilika und die Heilige Treppe im Haus gegenüber. Der Sage nach, war das die Treppe, auf der Jesus zu Pilatus ging. Heute wird sie streng bewacht, und man darf nur auf Knien hoch"gehen". Anschließend hatten wir auch unseren Abschlussgottesdienst im Lateran. Schon komisch, so leise war es in der Kirche schon lange nicht mehr. Könnte das vielleicht an dem Versuch von gestern Abend  liegen, so weinig Zeit in Rom zu verschwänden, wie möglich? Nach dem Gottesdienst fuhren wir zügig mit der Metro zurück zu unserem Bus, der uns dann nach Hause, nach Deutschland fuhr. Traurig nahmen wir Abschied von Rom bei 46 Grad. Das Schlafen hätte im Bus sicher jetzt ganz gut funktioniert, wenn ich es versucht hätte. Aber wieder waren die meisten beschäftigt. Ich glaube aber, irgendwann haben dann alle geschlafen.


Samstag, 05.08

Ich bin gerade aufgewacht und mir ist kalt. Sehr kalt. Ich versuche noch einmal zu schlafen, aber es hat eh keinen Sinn mehr, weil wir gleich am Irschenberg sind. Nach einer Viertelstunde im Halbschlaf sind wir dann da. Hoffentlich sind unsere Eltern schon hier. Sonst müssten wir ja in der Kälte warten. Da wir alle noch an die Temperaturen in Rom gewöhnt waren und auch dementsprechend gekleidet waren, waren wir schon sehr erschrocken über diese Temperaturen. Es hatte nicht mehr als 15Grad. Nach einem Kaffe beim McDonald's wurde mir dann schon wärmer. Ich stieg ins Auto meiner Eltern ein und wir fuhren heim. Endlich Urlaub.



Christian Poss


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